Bei Pflanze der Woche erfahren Sie alles über:

Namensursprung
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therapeutische Anwendung
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Ihr Franz Thews

 

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Avena sativa der Hafer, 7.Kalenderwoche

Avena sativa, der Hafer


Volksnamen
• Biwen
• Flöder
• Haber
• Hattel
• Howern


Namensursprung
Avena ist der Name des Kulturhafers und des wilden Hafers bei den Römern. Der Namensursprung ist nicht ganz geklärt und sicher. Nach einer Erklärung wird der Name vom sanskritischen avi abgeleitet, was soviel wie Schlaf bedeutet. Nach einer anderen Deutung von avasa, was soviel wie Nahrung bedeuten würde. Die volkstümliche Bezeichnung Haber, wird vom Bock abgeleitet und mit dieser Pflanze wurde der Ziegenbock gefüttert. Hafer ist dann eine weitere sprachliche Abwandlung.


Mythologie
Im alten Griechenland war der Hafer wahrscheinlich nur wenig bekannt. Bei Plinus wurde der Hafer wie folgt beschrieben: "Die Germanen säten und aßen nur Hafer."

Aus der germanischen Mythologie wird der Hafer mit Loki in Verbindung gebracht. Nach Loki , südgermanisch Loge , werden, um seine verderbliche Wirkung zu zeichnen, der Schwindelhafer, Avena fatua auch als Lokis Hafer bezeichnet. Im Übrigen ist der Name des Gottes in Skandinavien auch in zahlreichen volkstümlichen Wendungen bewahrt geblieben. Zieht die Sonne Wasser, so sagt man, Loki fährt über die Äcker oder Loki trinkt Wasser, wenn Unheil gestiftet wird, so sät Loki seinen Hafer, knistert das Feuer, so gibt Loki seinen Kindern Schläge, steigen in der Sonnenglut Dünste auf, so treibt Loki seine Geissen aus. Der Irrwisch heißt in Skandinavien Lokis Geruch, der Stern Sirius Lokis Brand, Späne, die zum Feueranmachen dienen, heißen Lokis Späne. In christlicher Zeit, in der die germanischen Götter zu "üblen Wichten", also Dämonen.

Aus der finnischen Mythologie gibt es Virankannos, auch Virankannas ein karelischer Fruchtbarkeitsgott, zuständig auch für Getreide, besonders den Hafer. Er brachte den Menschen den Hafer, den es ohne ihn nicht gegeben hätte


Geschichten
In Deutschland war Hafer bis zum 16. Jahrhundert ein Hauptnahrungsmittel und wurde dann langsam von anderen Getreidearten verdrängt. Es wurde auch zum Bierbrauen genutzt Von den Römern berichten die meisten Publikationen, die sich mit der Geschichte des Brauwesens befassen, dass sie Wein bevorzugten und Bier nicht besonders beliebt war. Trotzdem bezeichnete einer der berühmtesten Römer des Altertums, Gaius Caesar (100 - 44 v. Chr.), Bier als "geschätztes und mächtiges Getränk". Die indogermanischen Stämme, die während der Zeit der Völkerwanderung im 4. und 6. Jahrhundert v. Chr. den europäischen Kontinent besiedelten, kannten verschiedene Verfahren der Bierbereitung. Diese Stämme verwendeten Gerste, Weizen, Hafer, Hirse und Linsen und würzten ihr Bier mit verschiedenen Kräutern.

Die alten Germanen gehörten wohl zu den begeisterten Biertrinkern; denn sie konsumierten es bei allen Gelegenheiten. Der Ursprung des Getränks wurde Odin (germanisch Wotan), dem höchsten Gott der nordischen Mythologie, zugeschrieben. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus (etwa 55 - 120 n. Chr.) beschrieb in seinem Buch "Germania" die auf germanischem Gebiet lebenden Stämme, ihre Eigenschaften und Bräuche. Er führte unter anderem an, dass sie sich mit einer "widerlichen, seltsamen, in etwa dem Wein ähnlichen Soße" begnügten.

Das Haferbier soll eine sexuell anregende Wirkung entfalten. Hier kommt auch die Redewendung her: "Ich glaub dir sticht der Hafer", wenn man Lüstern und zu aufdringlich wird.

Nun es gibt noch eine weitere Erklärung für die Redewendung mit dem Hafer. Der 6. Julmond, nach unserer Zeitrechnung der 6. Dezember also Nikolaus, war in der germanische Mythologie Wotan geweiht. Die Kinder stellten ihre mit Hafer gefüllten Stiefel und Schuhe vor das Haus für Wotans Pferd. Als Belohnung gab es Nüsse und Äpfel. Knecht Ruprecht ist ebenso identisch mit Wotan. Seine "Rute" war ein lebendiger Zweig, der für Fruchtbarkeit stand. Die Kirche hat den Zweig als Bestrafer-Rute umfunktioniert.

Die slawischen Stämme, die vor allem in den baltischen Gebieten und in Mittel- und Südeuropa siedelten, bereiteten verschiedene Arten Bier. Am häufigsten verwendeten sie Gerste, Weizen war vor allem ein Rohstoff für bessere Biersorten und Hafer wurde zur damaligen Zeit als Rohstoff für zu besonderen Anlässen gebraute Biere benutzt. In der Bierzubereitung taten sich vor allem die Letten hervor, die als Grundrohstoff Gerstenmalz verwendeten und ihr Bier bereits mit Hopfen würzten.

Ein Litauische Lied geht wie folgt:
...Ei, mein Ross, mein Rösslein,
Du mein dunkelbraunes,
Warum will nicht munden
Dir der reine Hafer ?
Wird zu schwer dir etwa...

Ein Gedicht von Ernst Busch
Aus dem Herzblut der Proleten sprießt mit starker Leidenschaft
fetter Hafer, roter Samen, Brot aus Kampf und Leidenskraft.

Ein Gedicht von Theodor Fontane
Schon mischt sich
Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern sind
im Verblühn,
die Trauben geschnitten,
der Hafer gemäht,
der Herbst ist da,
das Jahr wird spät.

Und doch (ob Herbst auch)
die Sonne glüht –
weg drum mit der
Schwermut
aus Deinem Gemüt!
Banne die Sorge,
genieße, was frommt,
eh' Stille, Schnee
und Winter kommt.

In der Volksmedizin war der Hafer schon immer beliebt und auch gerne eingesetzt. Und träumt man vom Hafer, sind das gute Aussichten auf eine erfreuliche Zukunft.


Botanisches
Süßgräser, Gramineae
aufrecht wachsendes Getreide, 60-100 cm hoch
Blüten am Ende des hohlen Stängels in Rispen angeordnet, die aus zwei- bis vierblütigen Ähren bestehen
die Körnerfrüchte sind von Spelzen umgebe


Vorkommen
• kosmopolitische Kulturpflanze

Wird bis in Höhen von 1600 m angebaut.


Blütezeit
• Juni bis August


Monograhpie

Verwendete Teile

• Haferstroh
Getrocknete, gedroschene Laubblätter und Stängel von Avena sativa LINNE sowie deren Zubereitungen in wirksamer Dosierung;

• Haferkraut
Frische oder getrocknete, zur Blütezeit geerntete, oberirdische Teile von Avena sativa LINNE sowie deren Zubereitungen;

• Haferfrüchte
Reife, getrocknete Früchte von Avena sativa LINNE sowie deren Zubereitungen.


Inhaltsstoffe

Haferstroh
• Die Droge enthält Kieselsäure

Haferkraut
• keine Angaben

Haferfrüchte
• keine Angaben

Die frische blühende Pflanze enthält unter anderem. drei bis vier Prozent Zucker; zwei bis drei Prozent Albuminoide; Kohlehydrate; Vitamine; keimdrüsenansprechende Wirkstoffe (im Saft junger Pflanzen). Die Haferfrüchte enthalten unter anderem. sechs bis neun Prozent Fett; 50 bis 60 Prozent Stärke; zwei bis fünf Prozent Zucker; ca. 14 bis 15 Prozent Eiweiß (zahlreiche Aminosäuren); Avenacin (Saponin mit antimikrobieller Wirksamkeit, hemmt besonders Pilzwachstum); Vitamin B1, B2, B6, Pantothensäure, Nikotinsäureamid, K1, Phytinsäure. Haferstroh enthält unter anderem Vitamin A, viel Kieselsäure, sowie Kalzium.


Anwendungsart

Haferstroh
• Zerkleinerte Droge
• Abkochungen aus zerkleinerter Droge
• Andere galenische Zubereitungen als Badezusatz;

Haferkraut
• keine Angaben

Haferfrüchte
• keine Angaben


Dosierung

Haferstroh
• 100 g Droge für 1 Vollbad
• Zubereitungen entsprechend

Haferkraut
• keine Angaben

Haferfrüchte
• keine Angaben


Gegenanzeigen

Haferstroh
• keine bekannt

Haferkraut und Haferfrüchte
• keine Angaben


Nebenwirkungen

Haferstroh
• keine bekannt

Haferkraut und Haferfrüchte
• keine Angaben


Wechselwirkungen

Haferstroh
• keine bekannt

Haferkraut und Haferfrüchte
• keine Angaben


Wirkprofil

Monographie

Haferstroh
• keine bekannt

Haferkraut und Haferfrüchte
• keine Angaben


Humoralpathologie
• Kalt im 1.-2. Grad
• Stopfend
• Trocknend
• Mäßig zerteilend


Indikationen
Die Indikationen werden wie folgt aufgeschlüsselt:
• Monographie
• Homöopathie
• Humoralmedizin
• Traditionelle chinesische Medizin
• Rezepte


Monographie

Äußere Anwendung

Haferkraut
• Entzündliche Hauterkrankungen
• Seborrhoische Hauterkrankungen, speziell mit Juckreiz


Gegenwart:

Haferstroh äußerlich als Badezusatz
• Rheuma
• Lumbago
• Ischias
• Lähmungen
• Lebererkrankungen
• Enuresis
• Unterleibsschwäche,
• Unterleibsspasmen
• Harngrieß
• Steinleiden
• Exantheme
• Lichen
• Kopfgrind
• Wunden
• Augenleiden

Haferfrüchte/Haferflocken für die Ernährung

• Magen-Beschwerden
• Darm-Beschwerden
• Diabetes mellitus
• Nieren-Leiden
• Blasen-Leiden
• Diarrhöe
• Leber-Erkrankungen
• Milz-Erkrankungen
• Brustleiden
• Hals-Leiden
• Lungen-Leiden
• Appetitlosigkeit
• Rekonvaleszenz


Homöopathie

Potenz
• D 1 – D 6

Wirkrichtung
• Zentralenervensystem

Leitsymptome
• Nervöse Erschöpfung

Passt zu
• Überbrückung von Arzneimittelmissbrauch in der Schmerztherapie

Verschlimmerung
• Keine Angaben

Besserung
• Keine Angaben

Indikationen
• Schlaflosigkeit
• Erschöpfungszustände
• Entziehungserscheinungen
• Erkältung


Humoralpathologie
• Kopfweh
• abscheuliche Röte des Angesichts
• hitzige Augen
• hitzige Augenschwachheiten
• schweißtreibend
• kalte Glieder
• Grind der Kinder
• Star


Traditionelle chinesische Medizin
• Keine Angaben


Service Apotheke Fritz

Eine sehr bekannte Tee-Zubereitung mit Hafer ist "Vollmers präparierter Grüner Hafertee N" von der Fa. Salus. Er wird traditionell angewandt zur Unterstützung der Ausscheidungsfunktion der Niere.

Diese Angabe beruht ausschließlich auf Überlieferung und langjährige
Erfahrung.

Hafer-Ganzpflanze: 75,0
Brennnesselkraut 10,0
Alpenfrauenmantel 5,0
Himbeerblätter 5,0
Diese Zubereitung gibt es als losen Tee oder als Teebeutel

Darüber hinaus hat Hafer als Nahrungsmittel und Diätetikum eine große
Bedeutung: neben wichtigen Aminosäuren und Mineralstoffen enthält der Hafer sehr viel Zink.

Haferschleimsuppe und Hafer als Beilage bei Schwächezuständen,
Ernährungsstörungen und als Schonkost bei vielen Beschwerden.

Des Weiteren enthält der Hafer große Mengen Kieselsäure, darum ist er ein beliebtes Bademittel.

Doch für die medizinische Anwendung ist vor allem auch der Inhaltsstoff Avenin von Bedeutung, das beruhigende Eigenschaften besitzt, allerdings nur in alkoholischen Extrakten in nennenswerter Menge enthalten ist. Hier eignet sich besonders Avena sativa Urtinktur. Diese hat sich übrigens auch in der Entzugs-Therapie von Morphin-Abhängigen bestens bewährt und wird auch für die Raucherentwöhnung verwendet.

Interessant ist die Anwendung eines Haferstroh-Bades, das bei Rheuma, Gicht und anderen Stoffwechselstörungen empfohlen werden kann. Es bewährt sich aber auch bei Grind, Frostbeulen und Frauenbeschwerden:

etwa 100 g Haferstroh werden mit 3 l Wasser angesetzt und etwa 20 Minuten
gekocht, abgeseiht und dem Badewasser zugesetzt.

Das war’s wieder für diese Woche

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