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Während
meines Aufenthaltes an der Traumatologie, der Hochschule für TCM in Lu Zhou,
Provinz Sichuan, konnte ich eine Methode, ähnlich der Kupfermünzmassage kennen
lernen. Diese wurde als "Gua Sha Fa" bezeichnet.
Über die theoretischen Grundlagen konnte ich damals leider wenig erfahren.
Doch die
großen therapeutischen Erfolge, besonders bei Lähmungen, Muskelatrophie und
orthopädischen Störungen hatten mich schon damals von der Wirksamkeit dieser
Therapie überzeugt.
So nahm
ich mit der Universität für TCM in Chengdu, etwas später auch mit dem Medical
College in Lu Zhou Kontakt auf und konnte etwas die theoretischen und
praktischen Hintergründe beleuchten.
In Gua
Sha Fa wurde ich erstmalig 1995 in Peking ausgebildet. Seit dieser Zeit habe ich
mehrere Fortbildungen meist in Chengdu oder Lu Zhou besucht.
Die wichtigsten Ärzte waren:
- Herr Dr. Jin in Chengdu
- Frau Dr. Meng in Lu Zhou
- Herr Prof. Wang in Lu Zhou
Entwicklung
Ähnlich wie in der Humoralmedizin hat sich im antiken China diese Methode zuerst in der
Volksmedizin, später auch in der Traditionelle Medizin etabliert.
Mit einfachen Hausmittel, so zum Beispiel
- dickwandige Porzellanschüssel
- dickwandige Gläser
- Schröpfgläser
- Münzen
- Kochlöffel
konnten
beachtliche therapeutische Erfolge erzielt werden. Bei zunehmender
Professionalität fanden spezielle Geräte aus
Verwendung.
Hierbei wurde die Haut durch Reiben und Ziehen dieser Materialien solange
gereizt bis sich eine Rötung zeigte.
Diese Rötungen,
Hämatome und Petechien dienten nicht nur der Ableitung über die Haut, sondern
wurde auch zur Diagnose genutzt.
So
konnte z.B. an der Anzahl von und der Art der Petechien an den Extremitäten
innerhalb der humormalpathologischen Diagnostik auf ein Fokalgeschehen
geschlossen werden. Viel früher jedoch wurde diese Methode, wahrscheinlich
schon seit der Ming Dynastie beschrieben und die Wirkungsweise dargestellt. Von
Frau Prof. Lu Wenqin am Institut of Orthopaedics and Traumatalogie an der
Academy of TCM in Peking wurde diese Methode aufgegriffen und seit über 10
Jahre mit medizinischen Anwendungen belegt. Hier besonders mit orthopädischen
Störungen und Lähmungen besonders bei Kindern. Innerhalb Chinas konnte ich
diese Methode nicht nur in der Klinik erleben, sondern auch beim einfachen Volk.
In
Deutschland wird diese Methode besonders von Therapeuten angewandt, die diese
innerhalb der Ausbildung kennen lernten und auch schätzen lernten.
Hier
wird gerade Gua Sha als "Geheimtipp" unter den Therapeuten gehandelt.
Auch in
Österreich und in der Schweiz hat sich Gua Sha Fa in der orthopädischen
Praxis, bei der Schmerztherapie und in der Sportmedizin bewährt. Hierbei ist
ein großer Vorteil, das dies kein körperöffnendes Verfahren darstellt und
doch auf der Basis der Akupunktur eingesetzt werden kann. Zudem ist dies Methode
noch vielen Ärzten und Physiotherapeuten völlig unbekannt und kann als
therapeutische Nische definiert werden. Natürlich ist diese Methode nichts
neues, den jeder der sich in den Grundlagen der Traditionellen Chinesischen
Medizin auskennt, weiß, das gerade die Vielfalt der Reizart / Manipulationsart
den großen therapeutischen Reichtum ausmachen.
Innerhalb
Chinas wird das folgendermaßen definiert: "Es gibt für eine Krankheit
viele therapeutische Möglichkeiten. Das Geheimnis eines großen Arztes ist es
jedoch die richtige Therapie zu wählen.
Erinnert
werden wir bei dieser Methode an folgende abendländische Verfahren:
- Münzmassage
- Schröpfkopfmassage
- Schröpfkopfrandmassage
- Stäbchenmassage
Wir können
bei der Betrachtung der Wirkung dieser Methode deshalb zwei theoretische
Grundlagen diskutieren:
- energetische
- humoralpathologische
Wir dürfen
jedoch pharmakologische und immunologische Aspekte, die einer wissenschaftlichen
Erforschung bedürfen nicht außer acht lassen.
Gua Sha
Fa basiert primär auf der Grundlage der TCM. Deswegen können alle Erkrankungen
die sich mit den Methoden der Akupunktur, Akupressur, der Moxatherapie und
Reflexzonentherapie günstig beeinflussen lassen auch mit dieser Therapie
ebenfalls behandelt werden.
Das Überraschende
und verblüffende ist die hohe Effektivität. Sicher auf dem ersten Blick sieht
die Methode etwas "brutal" und heroisch aus, doch noch während der
Behandlung zeigen sich schon erste therapeutische Effekte.
Gua Sha Fa, das Reiben und Ziehen von Schabern über die Haut führt zu folgenden
Wirkmustern:
- durchblutungsverbessernd
- entspannend
- schmerzlindernd
- Stoffwechselaktivierung
- Harmonisierung des Qi-Flusses
- Anregung der Hautausscheidung
- Anregung der Hautfunktion<
- Ableiten von Toxinen über die Haut
- Eigenbluttherapie, aufgrund der Hämatome und Petechien
- unspezifische Immunstimulierung
Anregung der inneren Organe über
- Akupunkturpunkte
- Haedsche Zonen
- Reflexzonen
- Cuti-viscerale Reflexbogen
- Osteo-viscerale Reflexbogen
Als Gleitmittel benutzt man in China verschiedene Öle. Ich konnte zwei Öle im Klinikbereich kennen lernen.
- Öl auf Basis von Johanniskraut
- Öl auf Basis von Pfefferminze
Beide Öle
haben die Aufgabe die Meridiane zu belüften, das Blut zu erfrischen und
Blockaden zu beseitigen. Zudem sollen sie die pathogenen Faktoren gemäß der
TCM beseitigen und ein Gleichgewicht der Energien im Körper herstellen.
Über den relativ starken Reiz werden auch die Selbstheilungskräfte aktiviert. Darüber
hinaus haben diese Öle noch einen praktischen Wert, die Schaber gleiten
geschmeidig über die Haut.
Dadurch wird die Therapie gerade am Anfang als angenehm empfunden.
Weiter Öle sind ebenfalls möglich, hier insbesondere Sesamöl, welches Toxine über die Haut aufnehmen kann.
Das
Indikationsspektrum wird sich an der Akupunktur orientieren.
Kontraindikationen
Die Kontraindikationen können u.a. wie folgt festgehalten werden:
- Blutungsneigung
- starke Veränderungen des Blutbildes
- Hautveränderungen und -erkrankungen
- fortgeschrittene Infektionserkrankungen
- Herz-und Kreislaufschwäche
- Implantate
- Schwangerschaft
- ausgeprägte Bindegewebeschwäche
- nüchterne Zustand, d.h. der Patient sollte vor der Therapie etwas essen
- Fokalgeschehen
Therapieaufbau
Das entsprechende Öl wird auf die zu behandelnde Stelle aufgetragen. Dieses Öl
kann über den entsprechenden Fachhandel bezogen werden.
Sollte es am Anfang schwierig sein, so kann durchaus auch Sesamöl oder Johanniskrautöl
Verwendung finden. Als Praxistipp ist zu empfehlen einem Esslöffel Johannisöl
noch ein bis zwei Tropfen Pfefferöl beizumischen. Es kommt hierdurch zu einer
besseren Reaktion der Haut, wie man sich gut vorstellen kann.
Wir sollten bei der zu behandelnden Stelle auch energetische Aspekte beachten und
Akupunkturpunkte in unsere Überlegung integrieren.
Mittels einem entsprechenden Schaber, aus Jade oder Büffelhorn wird mit kurzen überlappenden
Strichen die Zone behandelt.
Diese Schaber aus Jade und Büffelhorn sind in China überall zu erwerben, wobei dem
Jadeschaber schon fast mystische Wirkungen zugeschrieben werden.
Es ist darauf zu achten das wir bei der Behandlung der Zonen eher großzügig
Verfahren. Das heißt, die Bereiche sollten eher zu groß, als zu klein
behandelt werden.
Bei den Dornfortsätzen und im Bereich von prominenten Knochen werden wir einen
abgerundeten Schaber bevorzugen. Anfangs mit sanften, gleichmäßigen Druck
arbeiten wir von oben nach unten und von innen nach außen.
An den Extremitäten arbeiten wir vom Körper fort, also nach distal.
In Arealen mit wenig Muskulatur, Gewebe, z.B. am Schulterblatt oder im Kopfbereich
wird der Druck entsprechend angepasst und nicht auf die knöcherne Struktur
durchgedrückt.
Obwohl diese Therapie auf den ersten Blick als grob zu beurteilen ist, braucht der
Therapeut sehr viel Fingerspitzengefühl.
Schon sehr bald merken die Therapeuten die unterschiedliche Konsistenz des Gewebes und
es können über diese Methode auch kleinste Myogelosen, Verhärtungen und
Verklebungen ertastet und behandelt werden. Mit der Zeit kann der Druck erhöht
werden und das Gewebe wird mit Fortdauer der Therapie immer geschmeidiger.
Nach wenigen Minuten wird sich eine Rötung des Areals zeigen, welche für die
Behandlung durchaus erwünscht ist. Diese kann in Hämatome und Petechien übergehen.
Das dabei auftretende Schmerzempfinden lässt jedoch sehr schnell nach. In seltenen
Fälle halten diese jedoch wenige Tage an. Hämatome, blaue und rote Flecken
sind durchaus als Therapieziel anzusehen und erwünscht. Der Patient sollte
jedoch sehr intensiv auf diese Reaktionen hingewiesen werden.
Die Therapie wird etwa 15 bis 20 Minuten fortgeführt und der Patient soll sich
anschließend etwas ausruhen. Häufig stellt sich eine sanfte Müdigkeit ein,
was als positive gewertet werden kann.
Zudem
wird häufig der Stoffwechsel aktiviert, was dem Patienten zu häufigeren
Toilettengang treibt. Der Stuhl wird reichlicher im Geruch auffallender. Das
gleiche beim Urin, hier wird die Farbe etwas dunkler und der Geruch, manchmal
als scharf empfunden.
Um diese Entgiftungsleistung des Organismus zu unterstützen, sollte der Patient
reichlich Wasser oder Tee trinken. Ein weiterer Aspekt bei dieser Therapie ist
die psychische Aufhellung, die sich nach zwei bis drei Tagen einstellt.
Eine Patientin hat hierzu einmal formuliert:
"Bei so heroischen Therapien müssen ja zwangsläufig Glückshormone ausgeschüttet
werden". Diese psychische Aufhellung ist über die Entlastung des
Stoffwechsel und dem Ausschütten von Endorphine zu erklären. Die Behandlung
kann wiederholt werden, wenn die alten Stellen abgeheilt und nicht mehr
druckdolend sind. So wird die Therapie etwa in wöchentlichen Abständen
wiederholt.
Eine deutliche Steigerung der Therapie haben wir, wen wir vor der eigentlichen
Behandlung den 7. Halswirbel, Vertebra Prominens sternenförmig von innen nach
außen ausstreichen. Eine weitere Steigerung der Therapie kann durch die
Kombination mit Schröpfköpfen erreicht werden.
Nebenwirkungen sind unter Berücksichtigung der therapeutischen Prinzipien und der
Kontraindikationen als selten zu Bezeichnen.
Bei
unerfahrenen Therapeuten wird es am Anfang in seltenen Fällen bei dem Patienten
zu einem muskelkaterähnlichen Gefühl oder zu Periostreizungen kommen.
Vom Patienten als unangenehm wird der Geruch nach der Behandlung empfunden. Das Öl
selbst aber auch die anregende Tätigkeit auf den Stoffwechsel der Haut und des
Gewebes führt zu einer Absonderung die als äußerst erwünscht anzusehen ist.
Das kann insbesondere Nachts bei entsprechender Wärme zu Irritationen in Form von
"Duftwolken", insbesondere beim Partner führen.
Insgesamt können wir Gua Sha als Bereicherung für die manuelle und traditionelle Praxis ansehen.
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